Becherblister: Verblisterung für feste Arzneimittel und Flüssigkeiten

Feste und flüssige Arzneimittel gemeinsam für jeden Einnahmezeitpunkt vorbereiten: Becherblister können diesen auf den ersten Blick besonders komfortablen Ansatz ermöglichen. Für Pflegeeinrichtungen kann sich dadurch die Anzahl separater Arbeitsschritte bei der Arzneimittelgabe reduzieren. Tabletten, Kapseln und bestimmte Flüssigkeiten werden patientenindividuell portioniert und übersichtlich in einem gemeinsamen Wochenraster bereitgestellt.

Neben dem praktischen Nutzen stellt sich jedoch eine wichtige Qualitätsfrage: Wie lässt sich nach dem Verschließen kontrollieren, ob sich im jeweiligen Becher tatsächlich das vorgesehene flüssige Arzneimittel in der richtigen Menge befindet?

Um diese Frage einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau von Becherblistern, die verfügbaren Kontrollmechanismen und die Unterschiede zwischen festen und flüssigen Arzneiformen.

Was ist ein Becherblister?

Ein Becherblister besteht aus einzelnen verschlossenen Bechern, die einer bestimmten Person, einem Tag und einem Einnahmezeitpunkt zugeordnet werden.

Die Becher sind in einer Karte beziehungsweise einem Tray angeordnet. Sie werden mit einer bedruckbaren Siegelfolie verschlossen und üblicherweise für einen definierten Versorgungszeitraum zusammengestellt. Die Beschriftung kann unter anderem den Namen der versorgten Person, das Datum, den Einnahmezeitpunkt und Angaben zum vorgesehenen Inhalt enthalten.

Becherblister sind eine Form der patientenindividuellen Neuverpackung von Arzneimitteln. Neben ihnen kommen in der Versorgung unter anderem Kartenblister und maschinell hergestellte Schlauchblister zum Einsatz. Auch die Apothekenbetriebsordnung unterscheidet beim patientenindividuellen Verblistern nicht allein nach der Verpackungsform, sondern stellt vor allem Anforderungen an Qualitätsmanagement, Herstellungsabläufe, Hygiene, Dokumentation und die Auswahl geeigneter Arzneimittel.

Becherblister

Ist ein Becherblister dasselbe wie ein Kartenblister?

Die Begriffe Becherblister und Kartenblister werden in der Praxis nicht immer trennscharf verwendet.

Design, Aufbau und Handhabung können nahezu identisch sein. Beide Systeme bestehen typischerweise aus einer Karte oder einem Tray mit einzelnen Vertiefungen für definierte Einnahmezeitpunkte. Die Portionen werden patientenindividuell befüllt und anschließend mit einer Folie verschlossen.

Teilweise wird deshalb auch ein Kartenblister mit tieferen, becherförmigen Vertiefungen als Becherblister bezeichnet. Eine allgemeingültige technische Abgrenzung existiert im Sprachgebrauch nicht.

Für diesen Artikel verwenden wir den Begriff „Becherblister“ gezielt für Systeme, in denen neben festen Arzneiformen auch bestimmte flüssige Arzneimittel portioniert und versiegelt werden können.

Welche Arzneiformen können enthalten sein?

Je nach System können Becherblister sowohl feste als auch bestimmte flüssige Arzneiformen aufnehmen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Tabletten
  • Kapseln
  • bestimmte besondere feste Arzneiformen
  • Tropfen und andere flüssige Arzneimittel
  • unterschiedliche Arzneiformen innerhalb eines gemeinsamen Wochenrasters

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Medikament für diese Form der Neuverpackung geeignet ist. Die Eignung muss für das konkrete Arzneimittel und das eingesetzte Verpackungssystem geprüft werden.

Relevant sind unter anderem die Darreichungsform, die Stabilität während des vorgesehenen Versorgungszeitraums und die Kompatibilität mit dem verwendeten Verpackungsmaterial. Die Leitlinie der Bundesapothekerkammer und § 34 Apothekenbetriebsordnung sehen entsprechende Festlegungen innerhalb des Qualitätsmanagementsystems vor.

Warum erscheint die Verblisterung von Flüssigkeiten attraktiv?

Der zentrale Vorteil eines Becherblisters liegt darin, feste und flüssige Arzneimittel innerhalb eines gemeinsamen Versorgungssystems abzubilden.

In vielen Versorgungssituationen werden feste Dauermedikamente bereits patientenindividuell vorbereitet. Flüssige Arzneimittel müssen dagegen häufig separat bereitgestellt und zum vorgesehenen Zeitpunkt abgemessen werden. Ein dafür geeignetes Becherblistersystem kann einzelne dieser Arbeitsschritte in den Herstellungsprozess vorverlagern.

Weniger separate Vorbereitung

Die vorportionierte Bereitstellung kann zusätzliche Dosierschritte unmittelbar vor der Arzneimittelgabe reduzieren.

Statt eine Flüssigkeit bei jedem Einnahmezeitpunkt erneut aus dem Originalbehältnis abzumessen, kann die vorgesehene Menge bereits in einem gekennzeichneten und verschlossenen Becher bereitstehen. Das kann insbesondere bei regelmäßig wiederkehrenden Medikationen zu strukturierteren Abläufen beitragen.

Ob und in welchem Umfang eine Entlastung entsteht, hängt allerdings vom konkreten Versorgungskonzept, vom eingesetzten System und von den weiterhin erforderlichen Kontrollen ab.

Gemeinsame Zuordnung zum Einnahmezeitpunkt

Feste und flüssige Arzneimittel lassen sich innerhalb eines gemeinsamen Wochenrasters einer Person und einem Einnahmezeitpunkt zuordnen.

Für die Pflege entsteht dadurch eine zusammenhängende Übersicht. Der jeweilige Becher kann über seine Position im Tray und seine Beschriftung dem vorgesehenen Tag und Einnahmezeitpunkt zugeordnet werden.

Gerade bei komplexeren Medikationsplänen kann eine solche Struktur die Orientierung unterstützen. Auch nicht gemeinsam verpackte oder nicht für das System geeignete Arzneimittel müssen dabei weiterhin separat berücksichtigt werden.

Übersichtliche Bereitstellung

Beschriftete Einzelportionen können die Zuordnung bei der Arzneimittelgabe erleichtern.

Typische Angaben auf der Siegelfolie sind beispielsweise:

  • Name der versorgten Person
  • Datum oder Wochentag
  • vorgesehener Einnahmezeitpunkt
  • Angaben zum Inhalt
  • weitere anwendungsbezogene Hinweise

Welche Informationen tatsächlich aufgebracht werden, ist vom jeweiligen System und dem zugrunde liegenden Versorgungskonzept abhängig.

Wie werden feste Arzneiformen nach der Produktion kontrolliert?

Feste Arzneiformen besitzen sichtbare Merkmale, die einen foto-optischen Soll-Ist-Abgleich des fertigen Blisters ermöglichen können.

Tabletten und Kapseln unterscheiden sich häufig in ihrer Form, Größe, Farbe und Kontur. Diese Eigenschaften können in einem bildbasierten Kontrollverfahren erfasst und mit hinterlegten Referenzdaten verglichen werden.

Sicherheitsmechanismen während der Produktion

Bereits vor der foto-optischen Endkontrolle greifen technische und organisatorische Sicherheitsmechanismen.

Je nach Herstellungsanlage und Prozess können dazu gehören:

  • digitale Übermittlung der freigegebenen Medikationsdaten
  • definierte Zuführ- oder Kanistersysteme
  • Zuordnung zu Patient, Tag und Einnahmezeitpunkt
  • Anwesenheits- und Mengenprüfungen
  • kontrollierte manuelle Zugaben
  • dokumentierte Herstellungsdaten
  • Plausibilitätsprüfungen
  • Prüfung der Bedruckung und Versiegelung

Die konkrete Ausgestaltung unterscheidet sich zwischen den eingesetzten Anlagen und Herstellern. Die Endkontrolle ergänzt diese Maßnahmen, ersetzt sie aber nicht.

Foto-optische Kontrolle des fertigen Blisters

Nach der Herstellung können sichtbare Tabletten und Kapseln fotografiert und mit den erwarteten Referenzmerkmalen abgeglichen werden.

Mögliche Prüfmerkmale sind:

  • Anzahl der enthaltenen Arzneimittel
  • Form
  • Farbe
  • Größe
  • Kontur
  • sichtbare Bruchstellen oder Beschädigungen
  • Abweichungen vom erwarteten Inhalt

Kommerzielle Kontrollsysteme für Schlauchblister erfassen den Inhalt einzelner Blisterbeutel optisch und vergleichen die sichtbaren Arzneimittel mit den hinterlegten Soll-Daten.

Im BlisterCenter Aschaffenburg werden die Schlauchblister nach der Produktion foto-optisch und manuell kontrolliert. Die Kontrolle ist Teil eines mehrstufigen Herstellungs- und Qualitätssicherungsprozesses.

Identifizierbarkeit bis zur Einnahme

In transparenten Schlauch- und Kartenblistern bleiben feste Arzneiformen grundsätzlich sichtbar.

Dadurch besteht zu verschiedenen Zeitpunkten die Möglichkeit, den sichtbaren Inhalt erneut zu betrachten:

  • nach der Herstellung
  • während der pharmazeutischen Freigabe
  • bei einer Kontrolle in der Apotheke
  • bei der Bereitstellung in einer Pflegeeinrichtung
  • unmittelbar vor der Arzneimittelgabe

Eine solche Betrachtung ist keine vollständige pharmazeutische Analyse. Sie schafft jedoch eine zusätzliche visuelle Kontrollmöglichkeit, sofern die Arzneimittel ausreichend sichtbar und unterscheidbar sind.

Warum ist die Endkontrolle bei Flüssigkeiten schwieriger?

Bei Flüssigkeiten fehlen feste Merkmale wie Form, Kontur und Abmessungen, die für einen klassischen Referenzbildabgleich genutzt werden können.

Eine Kamera kann bei einer Tablette beispielsweise erkennen, ob sie rund oder länglich ist, welche Farbe sie besitzt und wie groß sie erscheint. Bei einer Flüssigkeit reduziert sich der visuell erfassbare Inhalt im Wesentlichen auf Merkmale wie:

  • Farbe
  • Transparenz oder Trübung
  • sichtbare Konsistenz
  • vorhandene Menge beziehungsweise Füllhöhe
  • mögliche sichtbare Partikel

Diese Merkmale reichen nicht zwangsläufig aus, um ein bestimmtes Arzneimittel sicher von einem anderen zu unterscheiden.

Das äußere Erscheinungsbild reicht häufig nicht aus

Unterschiedliche flüssige Arzneimittel können sich äußerlich sehr ähnlich sehen.

Klare oder ähnlich gefärbte Flüssigkeiten lassen sich nach dem Einfüllen allein anhand ihres Aussehens möglicherweise nicht eindeutig zuordnen. Auch die Konzentration eines Arzneimittels ist in der Regel nicht visuell erkennbar.

Ein Bild des verschlossenen Bechers kann daher für sich genommen nicht bestätigen:

  • welcher Wirkstoff enthalten ist
  • welche Konzentration vorliegt
  • aus welchem Ausgangsbehältnis die Flüssigkeit stammt
  • ob eine ähnlich aussehende Flüssigkeit verwechselt wurde

Das bedeutet nicht, dass keine Kontrolle möglich ist. Es bedeutet vielmehr, dass eine klassische foto-optische Inhaltskontrolle, wie sie bei sichtbaren Tabletten und Kapseln eingesetzt werden kann, nicht in gleicher Weise auf flüssige Arzneimittel übertragbar ist.

Grenzen bildbasierter Kontrollsysteme

Ein bildbasiertes System kann Eigenschaften von Becher, Befüllung und Verpackung prüfen, aber nicht ohne Weiteres die Identität des flüssigen Inhalts bestätigen.

Je nach technischer Ausführung kann eine Kamera möglicherweise erfassen:

  • ob sich Flüssigkeit im Becher befindet
  • ob die Füllhöhe innerhalb eines definierten Bereichs liegt
  • ob der Becher sichtbar beschädigt ist
  • ob die Versiegelung Auffälligkeiten zeigt
  • ob eine Kennzeichnung vorhanden und lesbar ist

Nicht allein durch eine gewöhnliche Bildaufnahme feststellbar sind dagegen typischerweise:

  • Wirkstoffidentität
  • Wirkstoffkonzentration
  • eindeutige Unterscheidung ähnlich aussehender Flüssigkeiten
  • pharmazeutische Eignung der abgefüllten Flüssigkeit
  • korrekte Herkunft des Inhalts

Die Kontrolle verlagert sich dadurch stärker auf die vorgelagerten Prozessschritte.

Größere Bedeutung vorgelagerter Prozesskontrollen

Wenn der fertige Inhalt visuell nur eingeschränkt identifiziert werden kann, müssen Kontrollen vor und während der Abfüllung besonders tragfähig sein.

Je nach System können dazu beispielsweise gehören:

  • eindeutige Identifikation des Ausgangsbehältnisses
  • Barcode- oder Datamatrixprüfungen
  • Abgleich mit der freigegebenen Verordnung
  • technische Mengen- oder Volumenprüfung
  • kontrollierte Zuordnung zur jeweiligen Patientenposition
  • dokumentierte Befüllung
  • Vier-Augen-Kontrollen
  • Plausibilitätsprüfungen
  • Chargendokumentation
  • lückenlose Rückverfolgbarkeit
  • definierte Freigabeprozesse

Welche Maßnahmen tatsächlich eingesetzt werden, hängt vom Anbieter, von der technischen Lösung und vom jeweiligen Qualitätsmanagementsystem ab.

Warum das BlisterCenter Aschaffenburg keine Flüssigkeiten verblistert

Das BlisterCenter Aschaffenburg hat sich bewusst auf ein Herstellungsverfahren konzentriert, bei dem die enthaltenen Arzneimittel nach der Produktion sichtbar und foto-optisch überprüfbar bleiben.

Die gemeinsame Verblisterung fester und flüssiger Arzneimittel kann im Versorgungsalltag praktische Vorteile bieten. Für unsere Entscheidung war jedoch ein anderer Aspekt ausschlaggebend: Der Inhalt des fertigen Blisters soll nach Abschluss der Produktion visuell nachvollziehbar bleiben.

Fazit: Praktischen Nutzen und Kontrollierbarkeit gemeinsam betrachten

Becherblister können die gemeinsame Bereitstellung fester und flüssiger Arzneimittel erleichtern. Gleichzeitig unterscheiden sich die Möglichkeiten der Kontrolle des fertigen Produkts deutlich.

Der praktische Nutzen liegt vor allem in der gemeinsamen Zuordnung unterschiedlicher Arzneiformen zu einem bestimmten Tag und Einnahmezeitpunkt. Flüssige Arzneimittel müssen dadurch möglicherweise nicht unmittelbar vor jeder Gabe separat abgemessen werden. Das kann wiederkehrende Pflegeabläufe strukturieren und einzelne Arbeitsschritte reduzieren.

Bei der Bewertung sollte jedoch nicht nur die Handhabung betrachtet werden. Ebenso wichtig ist die Frage, wie die richtige Befüllung geprüft und nach der Produktion nachvollzogen werden kann.

Feste Arzneiformen besitzen sichtbare Merkmale wie Form, Farbe, Größe und Kontur. Diese können fotografiert und mit Referenzdaten verglichen werden. Bei Flüssigkeiten ist ein entsprechender Referenzbildabgleich nur eingeschränkt möglich. Wirkstoff, Konzentration und Herkunft lassen sich nicht allein anhand des äußeren Erscheinungsbildes bestätigen.

Deshalb gewinnen bei Flüssigkeiten die vorgelagerten Prozess-, Mengen- und Dokumentationskontrollen zusätzlich an Bedeutung.

Häufig gestellte Fragen zu Becherblistern

Ist ein Becherblister dasselbe wie ein Kartenblister?

Die Begriffe werden teilweise synonym verwendet. Beide Systeme ordnen einzelne Arzneimittelportionen in einer Karte oder einem Tray an. Aufbau und Layout können nahezu identisch sein. In diesem Artikel bezeichnet „Becherblister“ speziell Systeme, die neben festen Arzneiformen auch bestimmte flüssige Arzneimittel aufnehmen können.

Können flüssige Medikamente verblistert werden?

Bestimmte Becherblistersysteme ermöglichen die patientenindividuelle Portionierung flüssiger Arzneimittel in versiegelten Einzelbechern. Nicht jedes flüssige Medikament ist dafür automatisch geeignet. Stabilität, Dosierung, Aufbewahrungszeit und Kompatibilität mit dem Verpackungsmaterial müssen berücksichtigt werden.

Welchen Vorteil hat die Verblisterung von Flüssigkeiten?

Feste und flüssige Arzneimittel können innerhalb eines gemeinsamen Versorgungssystems vorbereitet werden. Dadurch lassen sich je nach Konzept separate Dosier- und Bereitstellungsschritte reduzieren. Die Arzneimittel können einer Person, einem Tag und einem Einnahmezeitpunkt zugeordnet werden.

Wie werden Flüssigkeiten im Becherblister kontrolliert?

Das konkrete Kontrollverfahren hängt vom eingesetzten System und dessen Qualitätskonzept ab. Möglich sind beispielsweise die Identifikation des Ausgangsbehältnisses, Barcodeprüfungen, technische Volumenmessungen, dokumentierte Befüllung und pharmazeutische Freigaben. Eine eindeutige Identifikation des Wirkstoffs allein anhand des Aussehens der abgefüllten Flüssigkeit ist jedoch nur eingeschränkt möglich.